Anatoli Karpow

Anatoli Jewgenjewitsch Karpow  ist ein russischer Schachgroßmeister und war von 1975 bis 1985 Schachweltmeister sowie von 1993 bis 1999 FIDE-Weltmeister.

Anatoli Karpow erlernte das Schachspiel im Alter von vier Jahren von seinem Vater, einem Ingenieur. Mit zehn Jahren war er bereits Meister von Slatoust, mit 12 wurde er erstmals nach Moskau eingeladen, um an einem Lehrgang der Sowjetischen Schachschule teilzunehmen. Michail Botwinnik war zunächst von dem eher vorsichtigen Spiel des schmächtigen Jungen wenig beeindruckt, änderte dann aber seine Meinung, als er bemerkte, wie ernsthaft sich Karpow dem Schach widmete. Bereits Ende 1966 wurde er erstmals ins Ausland geschickt und gewann ein Turnier in Trinec. 1967 wurde er in Groningen Junioreneuropameister, vor Konkurrenten wie Jan Timman und András Adorján. 1969 gewann er die Jugendweltmeisterschaft in Stockholm. Kurz zuvor hatte er begonnen, mit Semjon Furman zusammenzuarbeiten, der seine schachliche Entwicklung stark beeinflusste. 1970 erhielt Karpow als zu diesem Zeitpunkt jüngster Spieler den Großmeistertitel. Einen bedeutenden Erfolg erzielte er 1971 durch seinen mit Leonid Stein geteilten 1. Platz beim Aljechin-Gedenkturnier in Moskau. Seine erste Schacholympiade spielte er 1972 in Skopje und erzielte dort mit 13 Punkten aus 15 Partien ein herausragendes Ergebnis. Als Jugendweltmeister war er vorqualifiziert für das Interzonenturnier in Leningrad 1973, das er punktgleich mit Viktor Kortschnoi gewann.

Danach qualifizierte er sich in mehreren Wettkämpfen als Herausforderer des Weltmeisters Bobby Fischer. Nachdem er zunächst Polugajewski (5,5:2,5) und danach Boris Spasski (7:4) ausgeschaltet hatte, schlug er im Finale der Kandidatenwettkämpfe seinen Landsmann Viktor Kortschnoi mit 12,5:11,5. Als Fischer zur Titelverteidigung 1975 nicht antrat, gewann Karpow am 3. April 1975 den Weltmeistertitel kampflos. In den folgenden Jahren spielte er sehr viele Turniere, um seinen Anspruch als bester Schachspieler der Welt zu untermauern. 1976 gewann er erstmals die UdSSR-Meisterschaft. Seinen Weltmeistertitel verteidigte er zweimal (1978 in Baguio und 1981 in Meran) erfolgreich gegen Kortschnoi. Nach der zweiten Verteidigung wurde Karpow der Leninorden verliehen. Diese Wettkämpfe fanden in einer sehr angespannten Atmosphäre statt, da Karpow als linientreuer Vertreter der Sowjetunion galt, während Kortschnoi als Dissident in den Westen emigriert war.

Bei der Schachweltmeisterschaft 1985 verlor Karpow seinen Titel an Garri Kasparow und konnte ihn weder im Revanchekampf 1986 noch 1987 oder 1990 zurückerobern. Erst als Kasparow mit der Weltschachorganisation FIDE brach und als Weltmeister disqualifiziert wurde, konnte Karpow 1993 durch ein 12,5:8,5 gegen Jan Timman den Weltmeistertitel wieder gewinnen und auch bis 1999 behalten. In diesem Zeitraum gelangen ihm noch einige große Erfolge, unter anderem ein überzeugender Sieg in Linares 1994. Dort erzielte er 11 Punkte aus 13 Partien und gewann mit 2,5 Punkten Vorsprung vor Kasparow und Schirow – ein Erfolg, der als einer der überlegensten Turniersiege der Schachgeschichte gilt. Damals wies er auch seine beste Elo-Zahl von 2780 (Juli 1994) auf.

Von 1975 bis 1984 war er die eindeutige Nummer eins, von 1985 bis Mitte der 1990er die unangefochtene Nummer zwei im Schach. Er gilt als einer der besten Positionsspieler aller Zeiten. Den Schach-Oscar als bester Spieler eines Jahres gewann er insgesamt neun Mal. Dazu kommen über 100 Turniersiege, das ist Weltrekord.

Karpow schrieb mehrere Schachbücher, die auch ins Deutsche übersetzt wurden, unter anderem Meine besten Partien und Karpows Schachschule. Eine Autobiographie veröffentlichte er 1991 in englischer Sprache unter dem Titel Karpov on Karpov.

In den letzten Jahren gründete Karpow zahlreiche Schachschulen, sowohl in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion als auch in den USA, Südamerika und Europa. In Deutschland führt die Karpow-Schachakademie Rhein-Neckar e. V. seinen Namen. Seit 2009 führt Karpow den Titel FIDE Senior Trainer. Seit 1994 ist er Mitglied der Schachvereinigung 1930 Hockenheim, für die er in der Saison 2011/2012 auch in der Schachbundesliga gemeldet ist. 2010 gab Karpow bekannt, für das Amt des Präsidenten der FIDE zu kandidieren. Nominiert wurde er dafür vom Deutschen Schachbund.[2] Bei der Wahl am 29. September 2010 unterlag er dem Amtsinhaber Kirsan Iljumschinow mit 55 zu 95 Stimmen.[3]

Karpow ist Mitglied der Partei Einiges Russland und wurde bei der Parlamentswahl im Dezember 2011 als Vertreter der Oblast Tjumen in die russische Duma gewählt. Karpow ist Schirmherr des „Internationalen Kinderheims“ (Interdom) in Iwanowo.[4]

In seiner Freizeit beschäftigt er sich mit Philatelie. Seine wertvolle Kollektion umfasst Schachmotive und andere Spezialgebiete.[5]

Nach Karpow ist auch der im Dezember 2003 entdeckte Asteroid (90414) Karpov aus dem Hauptgürtel benannt worden.[6] Dmitri Medwedew verlieh ihm mit dem Präsidialerlass N° 660 am 22. Mai 2011 den Orden der Freundschaft.

Karpow ist Vater zweier Kinder und war zwei Mal verheiratet. Aus der ersten Ehe mit Irina Kuimowa stammt ein Sohn (* 1979). Mit seiner zweiten Ehefrau Natalja Bulanowa hat er eine gemeinsame Tochter Sofia (* 1999).

Quelle: Wikipedia vom11.02.2014

Prolog

Anatoli Karpow steht seit der 2.000 Jahrfeier der Stadt Speyer im Jahr 1990 mit der Region Rhein-Neckar in Kontakt. Nach seinem großen Erfolg in Linares, Spanien im Frühjahr 1994 folgte er einer Einladung des Vorsitzenden der Schachvereinigung 1930 Hockenheim e.V. , besuchte den Badischen Schachkongress in Hockenheim, spielte Simultan in der Stadthalle und wurde Ehrenmitglied des Vereins. Im Juli besuchte er das Formel 1 Rennen und  im Dezember 1994 stelle er den Bildband “Faszination Schach” der Autoren Karpow, Grund und Auer in Anwesenheit des Präsidiums des Badischen Schachverbandes im Hotel MOTODROM am Hockenheimring einem interessierten Schachpublikum vor.

Quelle: Faszination Schach

Karpow und die Metropolregion Rhein-Neckar

Fortan besuchte  Anatoli Karpow Hockenheim und die Region regelmäßig.  Standorte  im Rhein-Neckar-Dreieck wurden zur bevorzugten Adresse des Weltmeisters innerhalb  Deutschlands. Mit dem Racket Center Nußloch und mit Dr. h.c. Manfred Lautenschläger machte der amtierende Weltmeisters erstmals 1995 Bekanntschaft. “Schach hat ein Zuhause” titulierte damals  der Mannheimer Morgen und sollte in Bezug auf das Racket Center Nußloch Recht behalten, das sich zum zentralen Mittelpunkt im regionalen Schach entwickelte.

Dieser starke Bezug von Anatoli Karpow zur Region führte im Jahre 2005 im Baden-Württemberg Center des Hockenheimrings in Anwesenheit des Deutschen Schachbundes und des Badischen Schachverbandes zur Gründung der Karpow-Schachakademie Hockenheim e.V. Der Namensänderung im Jahre 2007 in Karpow-Schachakademie Rhein-Neckar lagen strategische Gründe zugrunde – man war inzwischen Mitglied der Sportregion Rhein-Neckar e.V.

In seiner Doppelfunktion als Vorsitzender der Akademie und Ehrenvorsitzender der Schachvereinigung 1930 Hockenheim gelang es Dieter Auer in den Folgejahren, den ehemaligen Weltmeister in die Hockenheimer Mannschaft zu integrieren. Der Aufstieg in die 1.Schachbundesliga im Jahre 2011 folgte und endete beim Finale im April 2014 mit dem größten Erfolg in der Vereinsgeschichte, als Anatoli Karpow mit seinem Sieg gegen GM Rhodstein die Bronzemedaille sicherte. Inzwischen vertritt die SV 1930 Hockenheim die Metropolregion Rhein-Neckar im vierten Jahr der Zugehörigkeit wieder alleine in der höchsten deutschen Liga.

NEWS

Am 13.August 2015 steht die Akademie vor einem 10-jährigen Jubiläum. Die geplanten Feierlichkeiten sollen in den Stützpunkten Hockenheim, Nußloch und Buchen stattfinden. Im Mittelpunkt stehen neben der 10-Jahrfeier, respektive in deren Fokus die Verleihung der Ehrenmitgliedschaft an Dr. h.c. Manfred Lautenschläger nach 20 Jahren freundschaftlicher Verbundenheit mit der Schachlegende Anatoli Karpow sowie die 25-jährige Freundschaft mit Dieter Auer, dem Vorsitzenden der Akademie.

 

 

 

 

 

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